FarbAktuell

15. Juli 2018

Alles so schön Grau hier?

Wer Grau als vorherrschende Farbe innen oder außen einsetzt, weiß was er tut?

In dem Farbenbuch-Klassiker von Eva Heller: „Wie Farben auf Gefühl und Verstand wirken“, kommt Grau noch schlechter weg als Schwarz. Grau, die Farbe ohne Charakter, ohne Kraft, steht  beispielsweise für Gleichgültigkeit, Langeweile und Gefühllosigkeit…

Aber genau das scheint im Trend zu liegen. Alle neu angelegten Fassaden sind Grau, grau, grau, mal mit kaltem Rot, grellem Weiß oder Schwarz kombiniert. Kalt und abweisend, ohne jede Rücksicht auf die Farbigkeit der Nachbarhäuser.

Betrachtet man sich dagegen Straßenzüge, beispielsweise in Südfrankreich, spiegelt sich  in der hier gewählten Farbigkeit die sinnliche Lebensfreude der Menschen. Es wirkt, als hätte man sich abgesprochen, gegen Maximalfarbigkeit, gegen aggressive Hell-Dunkel-Kontraste oder gegen das Versinken im Einheitsgrau. Heraus kommt eine angenehme Atmosphäre und eine Aufenthaltsqualität, die so gar nichts mit unseren Straßenbildern gemein hat. Natürlich lässt sich das nicht eins zu eins nach Deutschland übertragen – anderes Licht, andere Materialien, andere Details, andere Menschen.

Aber, anstatt wir uns inspirieren lassen zu Farbkombinationen und Farbstimmungen, die auch unsere Region bereichern würden, sehen wir im Moment eine deutliche Tendenz zur seelenlosen Reduzierung.  Ein kaltes Grau, manchmal kombiniert mit schwarzen oder weißen, willkürlich gesetzten „Rallye-Streifen“. Dazu fast schwarze Fensterprofile, die aus Fenstern dunkle Löcher machen, dunkelgrau geschotterte Vorgärten mit maximal einem, bis zur Unkenntlichkeit beschnittenen  Zierbaum.

Gestalterische Armut lässt auch hier eine Atmosphäre entstehen. Eine Atmosphäre ohne jede sinnliche Anregung. Und gespiegelt wird in erster Linie der Verlust der Resonanzfähigkeit. Ausgedrückt über die Auswahl der Farben, präsentieren sich hier deutlich Kraftlosigkeit und der Wunsch nach Abschottung.

Wirklich gewollt?

 

 

 

Advertisements